Chor TonArt

Liedertafel von 1850 Stromberg

Chor TonArt - Liedertafel von 1850 Stromberg

Chronik

Der MGV „Liedertafel“ von 1850 Stromberg e. V. bestand bis 2011 als Männergesangverein. Es war ursprünglich 1850 nicht nur die Freude am Singen, die die Männer in den Gesangverein eintreten ließ. Auch die Pflege der Geselligkeit sowie Gespräche und Diskussionen über Politik und Gemeindeleben in trauter Runde führten die Bürger im Gesangverein zusammen, um so den kritischen Beobachtungen der staatlichen Obrigkeit zu entgehen. Ob Turnverein oder Chor, in solchen Gruppierungen fühlte man sich frei für den politischen Meinungsaustausch unter Gleichgesinnten, jedenfalls so lange, bis auch hier die staatliche Obrigkeit eingriff. Die Märzrevolution im Jahr 1848 mit ihren Forderungen nach Demokratie und Freiheitsrechten führte dazu, dass die feudalen Herrscher in der folgenden Zeit einen Teil der Errungenschaften (Grundrechte, Wahlrecht) rückgängig machten und insbesondere die neu gegründeten Vereine kritisch beobachteten.

Aus zwei Festschriften des MGV „Liedertafel“ von 1850 Stromberg zur Feier des 75jährigen Bestehens 1928 und zur Feier des 100jährigen Bestehens aus dem Jahre 1950 ergibt sich, dass man sich lange über das Gründungsjahr des Vereins nicht einig gewesen ist. Beim genaueren Studium der Akten, Vereinsprotokolle und Statuten fand man im ältesten der erhaltenen Protokolle aus dem Jahre 1856 den Hinweis, dass 1850 ein Männergesangverein gegründet worden war. Dieses Gründungsdokument ist bedauerlicherweise verlorengegangen. Es ist nur noch das Protokoll der erneuten Vereinsgründung von 1856 in den Archiven vorhanden, das die Gründung€von 1850 bestätigt. Wahrscheinlich aus den bereits erwähnten politischen Gründen war der Verein kurz nach einem Gesangfest 1853 aufgelöst worden. Im Gründungsprotokoll vom 2. Dezember 1856 heißt es nämlich: „Es erschienen heute in der Küsterei hierselbst die unten Verzeichneten und beschlossen, einen Gesang-Verein (Liedertafel), der vor etwa sechs Jahren hierselbst gebildet, aber wegen anderer Hindernisse vor drei Jahren wieder aufgelöst wurde, wiederum zu Stande zu bringen. Dieser Gesangverein soll weder einen Club bilden noch den Zweck haben, sich über politische Gegenstände zu unterhalten, sondern soll nur darauf gerichtet sein, durch anständige und sittliche Lieder sich und andere zu ergötzen und erfreuen.“ Das Gründungsprotokoll trägt die Unterschrift von 18 Stromberger Bürgern, deren Nachfahren zum Teil noch heute in Stromberg leben.

Der erste Dirigent und Initiator für die Gründung war der Küster Josef Schumacher, der den stolzen Titel „Direktor“ führen durfte. Auf Josef Schumacher, der von 1850 bis 1890 Dirigent war, folgten Anton Horstmann (1890 bis 1905). August Horstmann (1905 bis 1935), Bernhard Niermann (1935 bis 1937), August Horstmann (1937 bis 1955), Ewald Austermann (1955 bis 1958). Josef Klapper aus Wadersloh (1958 bis 1959). Heinrich Huster aus Oelde. ( 1959 bis 1961 ), Heinz Lohnherr aus Sünninghausen (1961 bis 2005) und Hans–Jörg Wever aus Warendorf (2005 bis heute).

Als Gründungsinitiator war Josef Schumacher gleichzeitig erster Vorsitzender bis 1890. Für die Jahre 1890 bis 1919 fehlen entsprechende Hinweise und Unterlagen. Gerhard Thiering leitet den MGV von 1919 bis 1937. Ihm folgte Wilhelm Ackfeld bis 1953. Johann Schröer bekleidete das Amt des Vorsitzenden von 1953 bis 1959, bevor Carl Splietker (1960 – 1965), Bernhard Wilkmann (1965 – 1971) und Josef Kaup (1971 – 1983) den Chor führten. Heinz Nübel übernahm dann diese Funktion 30 Jahre bis 2013. Er leitet die Umgestaltung des Männerchores MGV „Liedertafel“ Stromberg von 1850 in den gemischten Chor „TonArt – Liedertafel von 1850“ ein und gestaltete diese tiefgreifende Änderung bis zum zukunftsweisenden Abschluss mit. Ihm folgte 2013 Heinz Umlauf als Vorsitzender mit seiner Vertreterin im Amt Christiane Weinekötter.

Vom Gründungstag an fanden sich in der Titularstadt Stromberg immer wieder Männer, die durch ihren Idealismus das kulturelle Geschehen durch den Chorgesang mitgestalteten. In der langen Zeit des Bestehens hat der Chor viele Höhen und Tiefen erlebt. Kriege, Krankheiten und Tod rissen schmerzliche Lücken in die Reihen der Sänger. Aber allen Widrigkeiten zum Trotz gelang es stets aufs Neue, mit Hilfe der Musik und Freude am Gesang schöne Liederabende, gelungene Konzerte, denkwürdige Jubiläumsfeiern und gesellige Veranstaltungen auf die Beine zu stellen.

Allerdings musste der Chor in den letzten Jahren dem demographischen Wandel deutlich Tribut zollen. Die Sänger wurden immer älter. Junger Nachwuchs war nur selten bereit, die wöchentlichen Chorproben als verpflichtend wahrzunehmen. So stand der MGV „Liedertafel“ Stromberg von 1850 in den letzten Jahren unter dem erheblichen Druck, nur noch in Zusammenarbeit mit anderen Männerchören konzertant auftreten zu können. In dieser Situation ließ das Interesse einer sangesbegeisterten Gruppe von Damen und Herren aus der Nachbarschaft an einer Zusammenarbeit in einem gemischten Chor die Hoffnung keimen, weiterhin der Chormusik verbunden bleiben zu können. Nach einer längeren „Schnupperphase“ fiel dann in der Jahreshauptversammlung im Frühjahr 2012 die endgültige Entscheidung. Die Mitgliederversammlung beschloss einstimmig, künftig mit dem Vereinsnamen „TonArt – Liedertafel von 1850“ unter dem Dirigat von Hans–Jörg Wever als gemischter Chor zu proben und aufzutreten.